This is me – Lebendig mit all meinen Narben und inneren Freaks

Was "The Greatest Showman" mit meinem Weg und meiner Arbeit verbindet

22. Juli 2025

Ich sitze gerade im ICE auf dem Weg von Berlin nach Hause, habe noch ein bisschen an meiner Markenpositionierung gearbeitet und bin sauer, dass ich im Bordrestaurant keinen Latte Macchiatto bekommen habe. Vor allem aus Interesse schaue ich im Portal, welche Filme sie gerade bringen: den letzten Star Wars, „der Junge muss an die frische Luft“ und noch weitere. Und „The Greatest Showman“, den ich vor ein paar Jahren schon mal gesehen habe. Auch wenn eine Stimme in mir sagt, dass es besser ist, keinen neuen Input zu bekommen und einfach aus dem Fenster zu schauen, schaue ich mir den Film an.

So wie ich den Film heute erlebt habe, habe ich noch nie einen Film erlebt: ab spätestens der fünften Minute laufen mir andauernd Tränen über die Wange, ich spüre den Stich der Enttäuschung, als Philipp die Hand seiner Tänzerin aus Angst vor dem Urteil seiner Eltern loslässt, und die Leere in Charity, als P. T. Barnum mit der schwedischen Sängerin auf Tournee startet.

Noch viel mehr spüre ich auch jetzt nach dem Ende des Films die Energie der Freiheit und der Selbstachtung, wie sie vor allem die Mitglieder des Circus in ihren Auftritten und Liedern versprühen. Vor allem bei „This is me“ läuft mir eine Gänsehaut über den Rücken. (offizielles Video, deutsche Übersetzung)

Wie viel Kraft und Zuversicht strahlen die Menschen aus, die selbst von ihren Eltern versteckt wurden, weil sie ihnen zu hässlich, zu klein, zu anders, zu kurios waren.
Wie viel mehr Selbstvertrauen und Selbstliebe entwickeln sie im Lauf des Films durch ihre Auftritte und die dabei erfahrene Zuneigung und den Jubel der Zuschauer.
Und wie stark ist der Moment, als sie P. T. Barnum damit konfrontieren, dass sie nun auch von ihm fallen gelassen werden und von ihm einfordern, dass er sie in der Situation nicht im Stich lassen kann und sich der Verantwortung für die von ihm geschaffene Familie stellen soll.

Und irgendwann merke ich, wie viel der Film mit mir, meinem Weg der letzten Jahre und meiner Arbeit zu tun hat. So, wie die Protagonisten von der Gesellschaft und auch von ihren Eltern behandelt wurden, so habe ich Teile von mir behandelt: ich habe sie eingesperrt und vor der Welt verborgen: meine Unsicherheit, meine Verletzlichkeit, meine Freude über Erfolge und Fähigkeiten, meine Lautstärke, meine Großkotzigkeit. Manche, weil ich nicht zu ihnen stehen konnte. Manche, weil mir von außen gesagt wurde „das macht man nicht“ oder „so “. Oder weil ich dafür bestraft oder ausgelacht wurde.

Allerdings hat das auch dazu geführt, dass ich immer mehr abgestumpft bin und nur noch so halb lebendig war. Lange hab ich das auch gar nicht so wirklich gemerkt, war ich doch ziemlich erfolgreich, habe an tollen Orten gelebt, war auf dem Schiff und habe immer viele interessante Menschen kennengelernt.
Doch da war was, ganz tief in mir. Eine leise und doch bohrende Ahnung. Die Frage, ob das wirklich alles ist, welches Potential noch in mir schlummert und was noch auf mich wartet.

Mit dieser Frage bin ich von Seminar zu Seminar, habe eine Ausbildung gemacht und die nächste, bin mal wieder umgezogen oder habe die Arbeit gewechselt. Doch so richtig geändert hat sich dann doch nichts. Mir wurde weiterhin zurückgemeldet, dass die anderen mich nicht spüren können – Wie auch, wenn ich mich selbst nicht spüren kann.

So, wie mich diese Spiegelungen früher genervt haben, so froh bin ich jetzt im Nachhinein darüber. Denn nur dadurch habe ich angefangen, auch mal nach innen zu schauen. So konnte ich nach und nach die einzelnen Teile wieder kennenlernen und mich mit ihnen anfreunden. Nicht immer hat das direkt auf Anhieb geklappt, leicht und angenehm war es auch nicht immer. Fertig bin ich vermutlich auch noch nicht, doch auf einem guten Weg.

Und ja, es fühlt sich so gut an, jeden Teil in mir zu spüren und auszuleben. Mein Leben fühlt sich nun so viel lebendiger an, die Begegnungen mit anderen sind viel näher und tiefer als früher und in mir fühlt es sich so viel ruhiger an. Und wenn ich jetzt das Video zu „This is me“ nochmal anschaue, kann ich auch die Freakshow auf meiner inneren Bühne sehen und feiern.

Und ich freue mich auf Deine Bühne. Wer wartet bei Dir auf seinen Auftritt und darauf, ins Ensemble mit aufgenommen zu werden. Welcher Teil in Dir ist noch versteckt und doch der Star, der Dein Leben und das von anderen bereichert?
Wenn Du magst, unterstütze ich Dich gerne dabei, Deine Bühne wieder mit Leben zu füllen. Melde Dich einfach bei mir.